Direkt zum Inhalt

Erbschaftssteuer sparen - Stiften Sie!

Sie möchten Ihre Firma oder Ihr Vermögen als Ganzes erhalten und doch mehreren Personen vererben?

Sie wollen sicherstellen, dass Ihre Erben das geerbte Vermögen nicht unbedacht verjubeln? Sie möchten einem guten Zweck auch nach Ihrem Ableben ganz in Ihrem Sinne dienen? Sie wollen Ihre Immobilien und anderes Vermögen schon zu Lebzeiten übertragen ohne die Kontrolle aufzugeben? Dann denken Sie vielleicht über die Einrichtung einer Stiftung nach. Hier geben wir Ihnen einige Tipps, wie Sie hierbei vorgehen können und welche Vor- und Nachteile für Ihr Vermögen daraus entstehen.

Erbschaftssteuer vermeiden, Kunst und Kultur, wissenschaftlichen Fortschritt, talentierte junge Menschen unterstützen, mildtätigen Zwecken nachgehen oder einfach das Familienunternehmen bzw. den Familienbesitz unabhängig von der Zahl der Erben zusammen zu halten und dabei die eigene Nachfolge regeln (siehe Bertelsmann), das sind die häufigsten Gründe eine Stiftung zu gründen. Weitere sind Vorteile beim Schenkungs- und Erbrecht (Schenkungs-, Erbschaftssteuer etc.).

Definition und Struktur

Eine Stiftung ist eine Organisation, die einen bestimmten Zweck verfolgt. Dieser Zweck wird vom Gründer/Stifter bestimmt und in der Satzung festgeschrieben. Die Gemeinnützigkeit ist keine Pflicht, hat aber steuerliche Vorteile. Die von Ihnen geplante Stiftung kann entweder zu Lebzeiten oder testamentarisch errichtet werden. Stiftungen können zeitweilig (bis das eingebrachte Vermögen verbraucht ist) oder dauerhaft (hier wird nur vom Ertrag ein Teil ausgeschüttet) angelegt sein. Sie können national oder international agieren und auch im Ausland ansässig sein. Die Satzung einer Stiftung gibt vor, wie die Stiftung und ihre Vertreter agieren und wie deren Ziele erreicht werden sollen und welche die Ziele sind. Ihr steht ein Vorstand vor, der die Organisation vertritt. Überwacht und regelmäßig überprüft werden Stiftungen von der staatlichen Stiftungsaufsicht oder dem Finanzamt - je nach Rechtsform der Stiftung.

Stiftungen können verschiedene Rechtsformen haben: Es gibt Rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts wie kirchliche Stiftungen. Eine Treuhandstiftung benötigt hingegen nach der Stiftungsgründung keine feste Satzung, sodass es keine festgelegte Gliederung geben muss. Wenn Sie ein kleineres Vermögen zur Gründung einbringen, ist eine solche Stiftung in wenigen Fällen die geeignete Lösung. Eine Stiftungs-GmbH ist flexibel und hat die Möglichkeit, ihre Satzung zu verändern. Sie benötigt wie jede GmbH ein Startkapital von mindestens 25.000 Euro. Ein Stiftungsverein ist noch freier. Seine Gründung erfordert mindestens sieben Mitglieder, ein festes Startkapital braucht es hierfür nicht. Über sie wacht nicht die Stiftungsaufsicht, sondern das Finanzamt.

Wer darf eine Stiftung gründen?

Voraussetzung für die Gründung einer Stiftung ist die Volljährigkeit des Stifters/Gründers. Zudem dürfen juristische Personen wie rechtsfähige Vereine Stiftungen gründen. Die Gründung einer Stiftung muss von der Stiftungsbehörde staatlich anerkannt werden.

Führung der Stiftung

Nach der Gründung müssen Sie sicherstellen, dass die Stiftung Ihrem Zweck nachgeht. So muss das Vermögen satzungsgerecht angelegt und verwaltet werden, Förderprojekte definiert und umgesetzt werden, die Mittel überwacht, kontrolliert und verteilt werden. Es braucht eine detaillierte Buchhaltung für den Jahresabschluss sowie eine Berichterstattung. Die Vorstandsmitglieder müssen dafür sorgen, dass Steuererklärungen eingereicht werden. Es gilt Gremiensitzungen einzuberufen und abzuhalten. Hat Ihre Stiftung einen gemeinnützigen Zweck, sollte PR-Arbeit geleistet werden, um Spenden zu akquirieren und die Erfolge der Stiftung zu kommunizieren. Spenden dürfen nicht zweckentfremdet werden.

Satzung

Die Satzung sollte die wichtigsten Daten der Organisation festlegen, zum Beispiel:

  • Name der Stiftung
  • Sitz der Stiftung
  • Stiftungszweck
  • Näheres zum Vermögen
  • Bildung des Vorstands
  • Regelungen, welche die Gründung der Stiftung beeinflussen

Folgende Fragen stellen sich also:

  • Geeignete Rechtsform
  • Stiftungskonzept und Formulierung Stiftungszweck
  • Stiftungssatzung und Eröffnung des Stiftungsgeschäftes
  • Besetzung der Stiftungsgremien
  • Stiftungsrechtliches Anerkennungsverfahrens
  • Erlangung der steuerlichen Freistellung bei den zuständigen Finanzbehörden. Dies ist nur möglich, wenn die Stiftung einer gemeinnützigen Tätigkeit nachgeht, ansonsten ist sie Steuerpflichtig.
  • Stiften mit Steuervorteilen: Immobilienübertragung unter Nießbrauchvorbehalt. Die Übertragung einer Immobilie unter Nießbrauchvorbehalt zugunsten des Stifters und ggf. seiner Familie kann einerseits Steuervorteile bringen, andererseits bleibt der Stifter zu Lebzeiten wirtschaftlich abgesichert.

Überlegungen vorab

Beachten Sie dass maximal ein Drittel der Stiftungsmittel an den Stifter und dessen Familie ausgezahlt werden kann. Mit Nießbrauch von Unternehmen und/oder Immobilien (hier ist eine Quote von 50 Prozent praktikabel, 100 Prozent ist auch hier verboten) und einer Kombination von Schenkung / Auflage / Familienstiftung kann man eine andere Lösung finden, falls gewünscht. Allerdings erlischt der Nießbrauch mit dem Tod des Berechtigten, der Nießbrauch kann nicht an künftige Generationen vererbt werden.

Alternativ kann der Stifter eine gemeinnützige Stiftung und eine Familienstiftung gründen, mit der Auflage, dass erstere Erträge von beispielsweise 20 Prozent an die Familienstiftung jährlich auskehrt und das solange, bis das Vermögen der Familienstiftung einen bestimmten Betrag erreicht. Die (nicht gemeinnützige) Familienstiftung darf die Erträge und Vermögensteile an die Familie ausschütten. Dadurch ist eine flexible Versorgung der Familie erreicht. Wird durch Ausschüttungen und Auszahlungen aus der Familienstiftung der Sockelbetrag wieder unterschritten, lebt die Ertragsübertragung der gemeinnützigen Stiftung wieder auf. So ist eine kontinuierliche Versorgung der Berechtigten auch in ökonomisch weniger erfolgreichen Perioden gesichert.

Welche Angehörigen dürfen gemeinnützige Stiftungen begünstigen?

Ein Drittel der Erträge einer gemeinnützigen Stiftung dürfen an die Stiftungsberechtigten (Sie selbst und/oder Ihre Angehörigen) ausgeschüttet werden. Der Kreis der Berechtigten ist allerdings auf Ehepartner, Eltern, Kinder, Großeltern, Geschwister sowie Pflegeeltern und Pflegekinder beschränkt. Zu diesen gehören auch durch Adoption begründete Verwandte. Dies wird allgemein kritisiert, da so Patchwork-Familien und Lebensgefährten benachteiligt werden.

Treuhandstiftungen

Treuhandstiftungen sind unselbständige Stiftungen, die keiner Anerkennung der Stiftungsaufsicht bei Gründung und laufender Tätigkeit unterliegen. Es finden keine Kontrollen statt. Der Stifterwille ist weniger festgelegt, als bei einer rechtsfähigen Stiftung. Es handelt sich um eine rechtsgeschäftliche Verknüpfung zwischen Stifter und Treuhänder. Die Vorschriften des Stiftungsrechts kommen nicht zur Anwendung. Beachten Sie aber, dass Treuhandstiftungen grundsätzlich körperschaftssteuerpflichtig sein können und dann zugleich (aber nicht zwingend) der Steuerbefreiung unterliegen. Wichtig für die Steuerbefreiung ist, dass Stiftungsvermögen und das Vermögen des Treuhänders getrennt verwaltet werden und eine Trennung von Stiftungszwecken und Treuhänderzwecken erfolgt. Zudem braucht es ein eigenes Stiftungsgremium neben dem eigentlichen Treuhänder.

Stiftungen im Ausland

Das Stiftungsrecht etwa in der Schweiz oder in Lichtenstein unterscheidet sich erheblich vom deutschen Stiftungsrecht. Es ist zum Teil deutlich einfacher zu handhaben sowohl bei der Gründung als auch der Unterhaltung der Stiftung. Wir werden auf diesen Punkt in einem eigenen Beitrag eingehen. Allerdings hier schon eine kleine Einschränkung: Der deutsche Fiskus honoriert Spenden über den steuerlichen Spendenabzug. Bei Spenden mit Auslandsbezug stellt sich das Problem, dass gesetzlich Spenden an gemeinnützig tätige Einrichtungen mit Sitz im Ausland im deutschen Einkommensteuerrecht nur beschränkt anerkannt werden. (Quelle: www.stiftungswissenschaften.de/international/auslandsspenden-mit-steuerrechtlichen-risiken.html).

Vermögensverwalter

Es ist u.U. sinnvoll, Ihre Stiftung durch einen Vermögensverwalter betreuen zu lassen. Bei der Auswahl des geeigneten Fachmanns sollten Sie abklären, wo dieser seine Stärken und Schwächen sieht und bei welchen Anlageformen er eine ausreichende Expertise hat. Fordern Sie ein Track Record an. Das ist eine nachprüfbare Aufstellung, welche Mandate er bisher mit welchem Erfolg betreut hat.

Alternativen zur Stiftung:

Gemeinnützige eingetragene Genossenschaft. Insbesondere im sozialen Wohnungsbau treten sogenannte steuerbegünstigte eG auf. Rechtsgrundlage ist das Genossenschaftsgesetz.

Ressourcen zum Thema:

Deutsches Stiftungszentrum  (www.deutsches-stiftungszentrum.de)

Kester-Haeusler-Forschungsinstitut für Stiftungsgründung und Stiftungsrecht  (www.stiftungswissenschaften.de)