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Sterbe- und Beerdigungsriten im Islam

Viele Faktoren bestimmen und verändern die Beerdigungsriten in Deutschland, so auch der Anteil der Muslime an der Bevölkerung.

Die Demografie hat sich in Bezug auf die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung im Laufe der Jahre geändert. Ca. 5,5 Prozent der deutschen Bevölkerung bekennen sich zum muslimischen Glauben, das waren 2015 geschätzte 4,5 Millionen Menschen - weltweit gibt es ca. 1,2 Milliarden Muslime. Hier ein Überblick über die Sterbe- und Beerdigungsriten im Islam.

Sterben

Der Sterbende wird auf die rechte Seite Richtung Mekka ausgerichtet. Solange er noch bei Bewusstsein aber ohne Schmerzen ist, wird die Schahada gesprochen. Die Vorsprache soll von einer Person erfolgen, von der man nur Gutes spricht. Nach dem Eintritt des Todes werden die Augen geschlossen und die Kiefer mit einem Tuch zusammengebunden, damit der Mund geschlossen bleibt. Der entkleidete Tote wird mit den Füßen Richtung Mekka ausgerichtet auf ein Holzgestell gelegt und mit Leinentüchern bedeckt.

Umgang mit dem Verstorbenen

Das rituelle Waschen und Einhüllen des Verstorbenen sollte kurz nach Eintritt des Todes vollzogen werden. Die Waschung darf nicht an jedem Toten erfolgen, ausgenommen sind etwa Totgeburten oder denjenigen, die auf dem Schlachtfeld oder bei Erfüllung ihrer beruflichen Pflichten für das Allgemeinwohl gestorben sind. Weibliche Leichen werden von Frauen, männliche von Männern gewaschen.

Nichtmuslim dürfen die Waschung ebenso wenig durchführen wie Muslime die Leichen von Andersgläubigen. Die Waschung findet drei Mal statt. Erst dann sind die Sunna-Bestimmung erfüllt. Darunter versteht man das Vorbild des Propheten Mohammed. Kosmetische oder chirurgische Veränderungen der Leiche sind nicht gestattet - der Verstorbene wird vielmehr so beerdigt, wie er war und das möglichst am Ort seines Ablebens. Eine Überführung ist nur gestattet, wenn der Körper dabei nicht verwest.

Erdbestattung ist Pflicht

Bei der Erdbestattung wird der Leichnam in der Erde begraben. Findet diese nach religiösen Riten statt, spricht man von einer Beerdigung. Sie ist im Islam die gebotene Bestattungsform. In einem Leichenzug wird der in Tücher gewickelte Körper von mindestens vier schweigenden Männern zum offenen Grab getragen. Die Angehörigen und andere Gläubige der Gemeinde folgen hinter dem Leichnam, dabei sprechen und singen sie Glaubensbekenntnisse. Muslimische Passanten sollen sich dem Zug anschließen. Das Tragen des Verstorbenen gilt als sehr verdienstvoll.

Bei der Überführung und dem Tragen - wie auch am Todesort - ist es rituell nicht erwünscht, klagend zu weinen oder gar zu schreien. Leises Weinen ist zwar nicht untersagt, die Trauernden sollen aber versuchen, geduldig und gefasst zu bleiben.

Am Grab angekommen wird der Verstorbene ohne Sarg in die Erde gebettet. Da dies hierzulande oft noch nicht erlaubt ist, bestatten viele Einwanderer der ersten oder zweiten Generation ihre Angehörige in ihrem Herkunftsland. Allerdings hat das Umdenken der Bundesländer in dieser Frage bereits begonnen. Der Leichnam wird auf die rechte Seite gelegt, sein Kopf muss gen Mekka blicken, der wichtigsten heiligen Stadt des Islams. Die Anwesenden füllen anschließend das Grab mit Erde. Dann sprechen sie Koranverse sowie religiöse Belehrungen. Dabei bleiben alle auf den Füßen, ein Niederwerfen vor oder am Grab ist nicht gestattet. Am Grab sollen die guten Taten des Toten erzählt, die schlechten aber verschwiegen werden.

Fristen der Bestattung

Die Bundesländer entscheiden in Deutschland über die Fristen zur Bestattung. Für alle Bestattungsordnungen gilt, dass vom Todeszeitpunkt bis zur Beerdigung mindestens 48 Stunden vergehen müssen. Dies bringt Muslime in Probleme, ihre Religion fordert, eine Bestattung am Tag nach dem Tod.

Grabgestaltung, Ruhezeit

Grabschmuck, Steine oder Kreuze gibt es im Islam nicht. Die Grabstätte soll einfach gehalten sein, denn sie erinnert nicht an den Toten, sondern an das Jenseits. Wie im Judentum gilt die ewige Grabruhe. Das Grab wird nicht nach Ablauf einer Frist an andere Toten weitergegeben, wie im Christentum üblich. Auch gibt es keine Feuerbestattung, weil der Verstorbene vollständig vor Gott treten soll.

Trauerzeit

Nach der Bestattung beginnt die dreitägige Trauerzeit. Freunde, Nachbarn und Bekannte kommen zu Besuch und beten für den Verstorbenen. Für engere Verwandte gilt eine Trauerzeit von bis zu 40 Tage, sie wird mit einem Essen und einem Besuch am Grab abgeschlossen.

An Feiertagen versammeln sich Familien gerne auf dem Friedhof. Der Besuch des Verstorbenen entspricht der Sunna. Die Gläubigen sollen eine Lehre aus dem Tod ziehen und im Koran lesen. Beim Besuch des Grabes darf man nicht um das Grab herumgehen, Hände, Gesicht oder Gegenstände auf das Grab legen, den Toten anflehen oder Kerzen anzünden.

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